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„Nicht nur Beschäftigte profitieren von Tarifverträgen. Sondern auch die deutschen Manager.“

Dr. Thomas Müller verhandelt für ver.di Tarifverträge bei Unisys und HP.

 

Was sind die speziellen Herausforderungen in der IT-Branche?

Der normale Umstand, dass der Arbeitgeber so wenig wie möglich zahlen will, wird in der IT-Branche überdeckt mit der Behauptung, dass marktgerecht und leistungsorientiert bezahlt wird.

Das stimmt so allerdings nicht: Denn hinter den Gehältern stehen Absprachen zwischen den Personalverantwortlichen der großen IT-Unternehmen. Das heißt, Gehälter orientieren sich nicht am Marktwert der jeweiligen Leistungen, sondern sie werden flächendeckend von Arbeitgeberseite aus definiert – wie von einem Kartell.

Darüber muss aber erst einmal informiert und bei den Beschäftigten ein Bewusstsein geschaffen werden.

 

Wie erreicht man Tarifverträge in bislang nicht-tarifierten IT-Unternehmen?

Man muss die Arbeitgeber zu der Einsicht bringen, dass sie als deutsche Manager auch etwas davon haben, mit den Gewerkschaften Tarifverträge abzuschließen. Sonst laufen sie immer weiter den Vorgaben ihrer Corporation hinterher, oft ohne großen Einfluss nehmen zu können.

Um Tarifverträge zu erreichen braucht es natürlich auch eine gut organisierte Belegschaft. Und die Betriebsräte müssen hinter der Sache stehen.

 

Und wie läuft das dann konkret ab?

Grundvoraussetzung ist erst mal, dass wirklich viele Kolleginnen und Kollegen Gewerkschaftsmitglied werden – wir können keine Tarifverträge für Minderheiten machen, deswegen würde ich mal sagen, dass mindestens 50 Prozent der Belegschaft organisiert sein müssen.

Danach muss intensiv geklärt werden, was die Beschäftigten wollen.

Mit den konkreten Forderungen geht dann die Gewerkschaft auf den Arbeitgeber zu und fordert diesen zu Verhandlungen auf. Wenn der Arbeitgeber dem nicht nachkommt, muss man dieser Aufforderung Nachdruck verleihen, um die Verhandlungsaufnahme zu erzwingen – zum Beispiel mit Warnstreiks.

 
 

In der schnelllebigen IT-Branche ist es wichtig, dass auch Senioren in einer starken Gewerkschaft aktiv bleiben. Das Wissen um die Vergangenheit hilft, die Zukunft zu gestalten. Altes Wissen mit neuem zu verbinden, hält Ältere aktiv. Somit ergänzen sich ver.di und die Senioren ideal.

Jupp H., Senior, Rüsselsheim / Mainz