Seit dem 1. April 2011 sind 550 Mitarbeiter/innen der E.ON IT im Zug eines Insourcingdeals zu HP gekommen. Der Integrationsprozess verläuft allerdings mehr als schwierig und ist geprägt von mangelhafter Kommunikation und Information seitens der Geschäftsführung an die Beschäftigten.
Das schafft ein Klima von Verunsicherung und Misstrauen.
So kamen beispielsweise in Würzburg – ohne die Mitbestimmung zu informieren – bulgarische Fachkräfte zur Einarbeitung an den Standort. Anstatt gegenüber der Belegschaft im Vorfeld klarzustellen, dass diese Anwesenheit nicht bedeutet, dass eine Verlagerung des Standorts droht, hat die Geschäftsführung Verunsicherung und Ratlosigkeit billigend in Kauf genommen.
Erschwerend hinzu kam, dass parallel Konzepte der HP-Geschäftsführung über geplante Transformationsmaßnahmen durch Offshoring und Outsourcing informell die Runde machten. Nachdem bereits die Einführung in die HP-Systeme eher schlecht als recht funktioniert hat, verstärkte sich bei den Kolleg/innen von E.ON IT das Gefühl, nur mühsam im neuen Unternehmen Fuß fassen zu können. Denn kurz nach dem Übergang zu einem neuen Arbeitgeber mit möglichen Verlagerungen der eigenen Tätigkeitsbereiche konfrontiert zu werden, ist weder ein Zeichen von Wertschätzung noch von guten Integrationsangeboten.
Unterstützung erfahren die E.ON ITler hingegen durch ihre Kolleg/innen bei HP, die HP-Betriebsräte und die Gewerkschaften. Sowohl in die Mitbestimmungs-Strukturen und gewerkschaftlichen Aktiven-Kreise als auch in die Belegschaft werden die neuen Kolleg/innen integriert und willkommen geheißen.
Zuletzt hat die Integration der übergegangenen E.ON ITler in die HP-Job-Systematik (JAI) für Unruhe gesorgt. Tarifvertraglich vereinbart ist, zunächst eine so genannte Schattenabbildung vorzunehmen, um die neuen HP-Beschäftigten formal in die Systematik zu integrieren. Die konkrete Eingruppierung wird Gegenstand der Verhandlungen um einen Überleitungs-Tarifvertrag zwischen ver.di und HP sein, die im Herbst dieses Jahres aufgenommen werden sollen.
Da der Prozess zur Schattenabbildung jedoch sehr ausführlich von den Führungskräften der entsprechenden Bereiche vorbereitet und umgesetzt wurde, ohne dabei die betriebliche Mitbestimmung einzubeziehen, regte sich unter Betriebsräten Misstrauen, ob es hier wirklich nur um die vereinbarte pro Forma Eingruppierung geht. Hintergrund dieses Misstrauens sind schlechte Erfahrungen, die in anderen Integrationsprozessen gemacht wurden.
Dr. Thomas Müller, HP-Konzernbetreuer und ver.di-Verhandlungsführer der Überleitungs-Tarifverhandlungen für E.ON IT, hat daher bei Manfred Neuffer von der Geschäftsführung HP nachgefragt , ob das Verfahren den tarifvertraglich vereinbarten Regelungen gemäß verlaufen sei.
„Manfred Neuffer hat bestätigt, von der Unruhe mitbekommen zu haben. Er habe sich jedoch erkundigt und er gehe von einem tarifvertragskonformen Vorgehen aus: Die Schattenabbildung sei wirklich nur eine solche und eine Eingruppierung könne erst nach dem Abschluss eines Überleitungstarifvertrags stattfinden, denn erst dieser würde die Basis dafür liefern“, informierte Dr. Thomas Müller in einem Schreiben an die Betriebsräte über die Ergebnisse seines Gesprächs.
„Wir von ver.di werden darauf genauestens achten, dass der Integrationsprozess korrekt verläuft“ bekräftigte Müller. „Um das zu gewährleisten, stehen wir im regelmäßigen Austausch mit den Betriebsräten, unseren ver.di Mitgliedern und dem Arbeitgeber HP.“
Auch die HP-Betriebsräte haben den Arbeitgeber deutlich aufgefordert, gegenüber den Beschäftigten klarzustellen, dass die Schattenabbildung keine Konsequenzen hat und nicht die Eingruppierung vorwegnimmt.
Mit Erfolg: Am 12. August 2011 informierte HP alle Mitarbeiter/innen des E.ON Accounts per Mail darüber, dass die Einordnung in die HP-Systematik JAI nur eine Schattenabbildung aus organisatorischen Gründen sei, aus der keine negativen Auswirkungen oder Nachteile entstehen dürften. Die reale Eingruppierung werde, wie tarifvertraglich zwischen ver.di und HP vereinbart, im Zuge der Überleitungsverhandlungen stattfinden.
„Mit dieser Klarstellung werden auch übereifrige Manager, die das Wort Eingruppierung leichtfertig benutzt haben, an die tarifvertraglichen Vereinbarungen erinnert“, stellt Dr. Thomas Müller zufrieden fest.
Wie im Anerkennungs-Tarifvertrag zwischen ver.di und HP vereinbart, sollen die finalen Übergangs-Regelungen für die ehemaligen Beschäftigten der E.ON IT in einem Überleitungs-Tarifvertrag zwischen ver.di und HP festgelegt werden. Denn der Anerkennungs-Tarifvertrag, mit dem die Beschäftigten zu HP gewechselt sind, hat eine Laufzeit von höchstens fünf Jahren.
Die Verhandlungen um einen Überleitungs-Tarifvertrag beginnen im Herbst 2011. Die Tarifkommission, die diese Verhandlungen begleitet, setzt sich aus ver.di-Mitgliedern bei HP und E.ON IT zusammen. Verhandlungsführer für ver.di ist Dr. Thomas Müller.
HP-News wird über den Verlauf der Verhandlungen zeitnah und transparent berichten.
Um die Integration der E.ON IT Beschäftigten, die zu T-Systems gewechselt sind, abzuschließen, haben ver.di und T-Systems tarifvertragliche Regelungen zur Anpassung der unterschiedlichen Arbeitsbedingungen verhandelt. Diese Verhandlungen sind nun mit einem Tarifvertrag abgeschlossen worden.
Wesentliche Regelungen sind:
„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, freut sich ver.di-Verhandlungsführer Erwin Gilbert. „Wir haben es geschafft, positive Überleitungs-Regelungen für die ehemaligen E.ON ITler sicherzustellen.“
Der Vorstand der E.ON AG plant einen weitreichenden Konzernumbau. Um bis 2015 insgesamt 1,5 Milliarden Euro so genannter ‚beeinflussbarer Kosten‘ einzusparen, sollen weltweit bis zu 11.000 Arbeitsplätze, davon 60 Prozent in Deutschland, abgebaut werden. Dabei werden betriebsbedingte Beendigungskündigungen ab dem Jahr 2013 und Standortschließungen nicht ausgeschlossen.
„Wir verurteilen, dass der Konzern die anstehenden Veränderungen der Rahmenbedingungen, die durch Ertragseinbußen notwendig geworden sind, überproportional auf dem Rücken der Beschäftigten austragen will“, kritisierte ver.di Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert einen verbindlichen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen auch über das Jahr 2012 hinaus und Wachstumsperspektiven für Arbeitsplätze in Deutschland.
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Bettina B., freigestellte Betriebsrätin, Stuttgart
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