Monika Brandl, 58 Jahre, ist ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Gewerkschaftsrats und GBR-Vorsitzende der DTAG GHS. Sie ist seit 40 Jahren aktive Gewerkschafterin und hat ihren Lebensmittelpunkt in Regensburg.
Du bist auf dem ver.di Bundeskongress diesen Herbst zum zweiten Mal in Folge als Gewerkschaftsratsvorsitzende gewählt worden. Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten beinhaltet dieses Amt?
M. B.: Der Gewerkschaftsrat ist das höchste Gremium der ver.di zwischen den Bundeskongressen. Eine der Hauptaufgaben des Gewerkschaftsrates ist es, gewerkschaftliche Grundpositionen und Grundsatzfragen festzulegen und zu beantworten. Außerdem überwacht der Gewerkschaftsrat die Einhaltung der Satzung und kontrolliert die Tätigkeit des Bundesvorstands.
Ausführlich kann man die Aufgaben hier nachlesen.
Du bist auf ehrenamtlicher Seite für ver.di das, was Frank Bsirske als Bundesvorsitzender auf hauptamtlicher Seite ist. Dahinter steckt eine lange Geschichte gewerkschaftlichen Engagements – wie bist du zur Gewerkschaft gekommen und wie hat dein Weg ausgehen?
M. B.: Ich würde sagen, ganz klassisch, ich wurde von einer Kollegin geworben. Das war allerdings für mich selbstverständlich, in eine Gewerkschaft einzutreten. Meine Mutter war in der damaligen ÖTV und schon Personalrätin – da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm.
Ich wurde dann zur Vertrauensfrau gewählt und war im örtlichen Gewerkschaftsvorstand. Dann hat mich der „Ruf“ ereilt, Frauenarbeit zu machen. Spaß beiseite, ich habe angefangen mit der Frauenarbeit, weil ich sehr konkret gemerkt habe, dass Frauen benachteiligt werden, spätestens wenn sie nach einer Babypause wieder in den Beruf zurück kommen und evtl. Teilzeit arbeiten wollen. Dann ist für viele Ende der Karriereleiter – und das ist ungerecht.
Deshalb habe ich mir gleich Gesinnte gesucht und wir haben angefangen, die Frauen mit Informationen zu versorgen, haben Stammtische eingerichtet, um mit den Kolleginnen zu diskutieren. Dann haben wir eine Zeitung initiiert und haben die Belange von Frauen sehr kreativ bearbeitet, z.B. mit Theaterstücken, mit sogenannten Gerichtsverhandlungen usw.
Und wie ging es dann weiter bei dir?
M. B.: Diese Frauenarbeit hat mich immer begleitet, egal, was ich sonst noch gemacht habe. Ich habe z.B. als Teamerin gearbeitet, bin dann in weitere Gremien eingestiegen und habe da immer die Frauenbelange zum Thema gemacht. Und "meine Frauen", zu der Bezeichnung hatte ich die Zustimmung der Kolleginnen, waren immer da.
Das war auch die Triebkraft zur Arbeit: der Zusammenhalt, die Ehrlichkeit und die Power, die wir dadurch entwickelt haben. Wir haben kein Fettnäpfchen ausgelassen, aber all das hat uns gestärkt, uns sicherer gemacht in unseren Antworten und in unseren Diskussionen. Daran sind wir gewachsen, Ob bei der Diskussion zum § 218 oder zur Quotendiskussion: das waren unsere Themen – und die haben wir voran gebracht.
Es war klar, dass wir die Quote auch in ver.di mitnehmen wollten – das wollten alle Frauen – und wir haben es geschafft! Heute hat unsere Organisation bewiesen, dass das gut ist und gut geht.
Ja, und nun bin ich Gewerkschaftsrats-Vorsitzende. Ein Job, der unendlich viel Spaß und Freude mit der Arbeit bringt – so viele Kolleginnen und Kollegen mit so vielen Ideen, so viel Kreativität, so viel Power! Und ich finde, bei der ganzen Ernsthaftigkeit, die die ehrenamtliche Arbeit mit sich bringt, dass es wirklich Spaß und Freude machen muss.
Auf unserem Kongress im September habe ich das Gefühl gehabt: Ja, wir sind angekommen, wir sind ver.di, und das ist ein gutes Gefühl.
Es gibt bestimmt Themen, die dir besonders am Herzen liegen – und Visionen, welches gewerkschaftliche Zukunftsthemen sind. Was wünscht du dir von und für ver.di in den nächsten vier Jahren?
M.B.: Ich wünsche mir für ver.di, dass wir gaaaaanz viele Menschen überzeugen, zu uns in ver.di zu kommen! Das ist mein allergrößter Wunsch! Aber dazu habe ich natürlich auch konkrete Vorstellungen, denn nur wünschen bringt nichts – außer man glaubt noch an das Christkind!
Ich bin der Meinung, dass wir noch mehr Zeit und Grips in die Mitgliederarbeit stecken müssen, dass wir Überzeugungsarbeit leisten müssen. Dazu brauchen wir natürlich die Personal- und Betriebsräte in den Betrieben vor Ort, damit wir da die Kolleginnen und Kollegen überzeugen, in die Gewerkschaft zu kommen. Tarifverträge fallen nicht vom Himmel, da müssen wir die Leute motivieren, mit zu streiten.
Und wie schaffen wir das, Menschen zu motivieren?
M. B.: Das heißt für mich, dass wir noch mehr – wie es jetzt im ver.di-Mitgliedernetz angeboten wird – uns auch in Interessengruppen zusammentun können, uns im Netz zusammenschließen und diskutieren können.
Für viele Menschen ist es heute unvorstellbar, sich für vier Jahre in eine Funktion wählen zu lassen. Viele wollen lieber Themen orientiert für eine bestimmte Zeit arbeiten, das müssen wir berücksichtigen.
Ich bin auch der Meinung, dass wir aus unserer Sicht der Dinge – hier als Merker die Finanz- und Wirtschaftskrise – die Leute informieren müssen, damit sie nicht nur mit der ewig gleichen Meinung konfrontiert werden und bald selbst glauben, was ihnen tagtäglich vorgemacht wird. Dafür müssen wir uns Zeit nehmen und auch unsere Kolleginnen und Kollegen in Seminaren zu Experten zu machen, damit sie in den Betrieben gegenhalten können. Das sind für mich ganz wichtige Themen, die wir vorantreiben müssen.
Und was muss innerhalb von ver.di passieren?
M. B.: Intern habe ich auch eine Vision.
Ich habe über den Kongress gesagt, dass ich den Eindruck habe, jetzt sind wir ver.di. Das Zusammengehörigkeitsgefühl möchte ich noch stärker in eine Gesamtverantwortung bringen. WIR sind ver.di, zusammen. Die Mitglieder, diejenigen, die in den Fachbereichen, in den Bezirken, auf Orts- Landes- und Bundesebene arbeiten. Wir alle gehören zusammen.
Wir müssen uns intern um die Fachbereichs-Arbeit kümmern: Sind wir richtig aufgestellt, müssen wir noch etwas nachjustieren, wo können wir uns innerhalb der Fachbereiche noch mehr miteinander verbinden, welche Themen können wir gemeinsam bearbeiten?
Das sind aus meiner Sicht unsere wichtigen Themenfelder: mehr werden, mehr dazu gewinnen, näher zusammenrücken – um es ganz kurz zu machen!
Du hast langjährige Erfahrung in der Interessenvertretung von Beschäftigten – als Betriebsrätin und GBR-Vorsitzende ebenso wie als aktive Gewerkschaferin. Als Frau an der Spitze von ver.di hast du damit auch Vorbildfunktion für junge Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen. Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben?
M.B.: Liebe junge Frauen und junge Männer, ihr seid die am besten ausgebildete Jugend, die es jemals gab.
Vieles von dem, was wir schon erreicht haben, steht wieder auf dem Prüfstand. Lasst uns gemeinsam einen Rückschritt aufhalten und gehen wir weiter, nach vorn, wohin sonst, gemeinsam in der Vorwärtsbewegung, denn die Arbeitnehmer/innen-Rechte haben wir noch nie geschenkt bekommen, die müssen wir verteidigen und erkämpfen. Heute sind die Mittel oft anders. Aber lasst sie uns nutzen, es gibt noch viel zu tun. Ob die Gleichberechtigung, der Mindestlohn, die gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit, die Verkürzung der Arbeitszeit, unbefristete Arbeitsverhältnisse und Vieles mehr – dafür lohnt es sich zu kämpfen.
Vielen Dank für das Interview!
Ich bin seit fast 30 Jahren aktives ver.di-Mitglied – das hat meine persönliche Entwicklung entscheidend geprägt. Meine Überzeugung ist, dass jede Interessensvertretung und jeder Betrieb eine starke gewerkschaftliche Anbindung benötigt. So kann man am besten mitwirken, mitgestalten und mitbestimmen – im Sinne aller Beschäftigten.
Gisela K., Betriebsratsvorsitzende, Bamberg
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