Die IT-Branche ist weiterhin geprägt durch Dynamik und Veränderung. Das spiegelt sich auch in der Gehaltsstruktur der Branche wider. Während ca. 35 Prozent der Beschäftigten der IT-Branche in großen Unternehmen arbeiten, wo in der Regel Tarifverträge gelten, anhand derer sehr genau definiert werden kann, was gearbeitet wird und wie viel verdient wird und welche Qualifikationen für die Tätigkeit notwendig sind, sieht es bei der Mehrzahl der Beschäftigten in der IT-Branche anders aus: Ca. 65 Prozent der Beschäftigten arbeiten in kleinen und mittleren Betrieben. Dort ist in der Regel kein Tarifvertrag vorhanden und somit ist Aushandeln des Lohnes Sache von jedem Einzelnen. Dabei passiert es gerade Beschäftigten, die erst in die Branche eingestiegen sind, häufig, dass sie weit unter dem durchschnittlichen Gehalt liegen.
Schon seit nunmehr fünfzehn Jahren beschäftigen sich ver.di bzw. die Quellgewerkschaften von ver.di mit der Dokumentation von Gehältern in der IT-Branche. 1996 erschien erstmals der HBV-Index, der – bis zum Jahr 2000 alljährlich überarbeitet – eine Dokumentation eines Vergütungstarifvertrages (VTV) für den Bereich Informationstechnologie bot. Im Jahr 2006 haben wir erstmals eine andere Form eines Gehaltsvergleichs, nicht mehr in der Form eines Vergütungstarifvertrages, sondern als Gehaltsübersicht über eine Vielzahl von Berufen in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern der Informationstechnologie vorgestellt. Die überwältigende Nachfrage hat uns darin bestärkt, dass dies eine richtige Entscheidung war. Mit dieser neuen Ausgabe eines Gehaltsvergleiches – wiederum von ver.di veröffentlicht mit Unterstützung der Initiative ICH BIN MEHR WERT – wollen wir den Beschäftigten im IT-Bereich weiterhin eine aktuelle Darstellung über die erreichten Gehälter in der Branche zur Verfügung stellen. Sie ist ebenfalls nutzbar für Beschäftigte in IT-Abteilungen anderer Branchen.
In unserer Dokumentation wurden nicht fiktive „Wunschgehälter“ als Grundlage für die zehn Gehaltsfestlegungen genommen, sondern eine Analyse und Auswertung von tatsächlich gezahlten Gehältern. Sie basiert zum einen auf einer von uns regelmäßig durchgeführten Untersuchung, die sich auf zwei größere und zehn kleinere Unternehmen der IT-Branche mit insgesamt ca. 70.000 Beschäftigten bezieht. Zum anderen haben wir eine Vielzahl von aktuellen Gehaltsanalysen unterschiedlicher Herausgeber analysiert, um auch dort Anregungen für unsere Dokumentation zu finden.
Orientiert wurde sich dabei an den Einkommen der in der jeweiligen Position drei bis fünf Jahre arbeitenden Beschäftigten. Die Gehaltshöhen spiegeln damit den Mittelwert wider, nicht den Maximalwert. Die festgestellten Bandbreiten je Gehaltsgruppe, bezogen auf Berufserfahrung / Kenntnisse, lagen zwischen -15 und +15 Prozent um den Mittelwert. Die Gehälter basieren auf einer Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden. Die Dokumentation ist damit eine Darstellung der tatsächlich erreichten Gehälter für die aufgeführten Positionen.
Anhand unserer Erfahrungen und der Rückmeldungen aus den Betrieben decken dabei die aufgeführten Positionen rund 95 Prozent aller im IT-Bereich vorhandenen Tätigkeiten ab. Wir gehen davon aus, dass alle von uns vorgestellten Regelungen auch den betrieblichen Gegebenheiten angepasst werden können, z. B. bei unterschiedlichen Stellenbezeichnungen.
Es wäre jedoch völlig illusionär, davon auszugehen, dass bei der vorhandenen heterogenen Struktur des IT-Bereiches alle unterschiedlichen betrieblichen Realitäten in unseren Dokumentationen erfasst werden könnten. In den letzten Jahren haben bereits in einer Reihe von IT-Betrieben Gespräche zur Frage Tarifvertrag / Haustarifvertrag stattgefunden und die Aufmerksamkeit für Gehaltsregelungen hat deutlich zugenommen. Jedoch haben wir in zahlreichen Diskussionen festgestellt, dass zunächst die Vorbehalte gegen kollektive Regelungen, sei es Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag, bei vielen Beschäftigten relativ groß waren. Wir haben jedoch auch festgestellt, dass diese Vorbehalte nach diesen Diskussionen deutlich geringer waren, spätestens dann, wenn erkannt wurde, dass kollektive Regelungen die individuellen Ansprüche nicht gefährden, sondern unterstützen.
Wir bieten daher allen Betriebsräten weiterhin unsere Unterstützung und Beratung an, die sich momentan oder in Zukunft mit der Regelung von Sachgebieten befassen, die in unserer Dokumentation angesprochen werden. Eine Übersicht der Kontaktpersonen bei ver.di befindet sich im Anhang der Gehaltsanalyse.
Robert Killer Michael Jäkel
Vorsitzender der Bundesfachgruppe IT/DV Bundesfachgruppenleiter IT/DV