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Günter Wallraff: Pate der Aktion "Support für Call-Center-Beschäftigte"

Günter Wallraff ist seit seinen investigativen Reportagen über Arbeitsmethoden bei der BILD-Zeitung ('Der Aufmacher') und Arbeitsbedingungen von Arbeitern ('Industriereportagen') und Migranten ('Ganz unten') einer der führenden deutschsprachigen Autoren. Immer wieder schleust sich der 1942 geborene Wallraff für seine Reportagen mit wechselnden Identitäten in Institutionen und Betriebe ein und deckt soziale und arbeitsrechtliche Missstände auf.

Günter Wallraff hat sich der Situation in Call-Centern ausgesetzt. Für seine Recherchen nahm er im vergangenen Jahr die Identität eines 16 Jahre jüngeren Mannes an. Er wurde einer von denen, die täglich in tausenden deutscher Haushalte anrufen und Dinge wie Lotterielose verkaufen. In seinen Reportagen beschreibt er aus erster Hand, welchen Arbeitsbedingungen und Zwängen sich diese Angestellten täglich ausgesetzt sehen.

 

Drei Fragen an Günter Wallraff

Wie sind Sie darauf gekommen, in Call-Centern zu Arbeiten?
Ich bekam Zuschriften über unhaltbare Zustände – sowohl von in Call-Centern Arbeitenden, als auch von Betrogenen. Das motivierte mich zum Selbstversuch. Die Insider, die mir berichteten, hatten zudem Angst, ihre Namen preiszugeben.

Was war die schlimmste Erfahrung?
Die Routine und Selbstverständlichkeit mit der Menschen, die auf einen Job angewiesen sind, in kurzer Zeit zu Betrügern werden. Sie werden angeleitet, mit üblen Telefondrückermethoden ahnungslose Menschen übers Ohr zu hauen.

Welche Möglichkeiten haben Call-Center-Beschäftigte, um ihre Arbeitssituation zu verbessern?
Ganz wichtig ist es, die Isolation zu durchbrechen und sich über eigene Rechte klar zu werden. Erst dann können gesetzeswidrige Arbeitsbedingungen und Verkaufsmethoden verhindert werden.
Voraussetzung ist eine Gewerkschaftsmitgliedschaft. Damit ist Beratung und Rechtsschutz gewährleistet und darüber hinaus wird auch der Weg zur Bildung eines Betriebsrates ermöglicht.

 

Auftaktveranstaltung

Vor über 100 interessierten Besucherinnen und Besuchern startete am 12 April 2008 in Potsdam die Aktion „Support für Call-Center-Beschäftigte“ Günter Wallraff, Pate der Aktion, schilderte seiner Erfahrungen als Call-Center-Agent.
„Den Reaktionen der Zuhörer war zu entnehmen, dass auch ihnen solche Praktiken bekannt waren, und so endete der gewerkschaftliche Aktionstag mit einer Strategieplanung für die Gegenwehr.“, schrieb hierzu die Märkische Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 14. April.
 
 

In der schnelllebigen IT-Branche ist es wichtig, dass auch Senioren in einer starken Gewerkschaft aktiv bleiben. Das Wissen um die Vergangenheit hilft, die Zukunft zu gestalten. Altes Wissen mit neuem zu verbinden, hält Ältere aktiv. Somit ergänzen sich ver.di und die Senioren ideal.

Jupp H., Senior, Rüsselsheim / Mainz

 
 
 

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